Druckluft-Schlagschrauber: Schrauben kraftvoll lösen und anziehen

Kraftvolles Druckluftwerkzeug zum Schrauben für die Werkstatt

Das typische Knattergeräusch eines Druckluft-Schlagschraubers haben Sie wahrscheinlich schon mal in einer Autowerkstatt oder bei einem Formel-1-Rennen gehört. Dort zählen die Druckluft-Werkzeuge zur Grundausstattung der Profis beim Radwechsel und vielen weiteren Arbeiten rund um Fahrzeuge. Das Rein- und Rausdrehen der Radmuttern mit einem manuellen Drehmomentschlüssel wäre viel zu mühselig und kräftezehrend. Mit einem Schlagschrauber dauert der Vorgang nur Sekunden und es lassen sich selbst hartnäckige oder angerostete Schrauben und Muttern lösen. Auch im Metallbau und bei der Montage kommen druckluftangetriebene Schlagschrauber zum Einsatz, wenn schnelle und strapazierfähige Verschraubungen gefragt sind.

Pneumatische Schlagschrauber werden von einem Druckluftmotor mit Lamellen angetrieben, der seine komprimierte Luft aus einem Kompressor bezieht. Die namensgebende Besonderheit bei Schlagschraubern ist der „Schlag“: Ein Drehschlagwerk im Schrauber übt durch kraftvolle Hubschläge Druck aus. Daraus resultiert ein sehr hohes Drehmoment auf die Schraube, das in Newtonmeter (Nm) angegeben wird. Je höher das Drehmoment, desto kraftintensiver arbeitet das Gerät. Dank hoher Drehzahl lassen sich selbst lange Metallschrauben rasend schnell verarbeiten.

Was sind die Vorteile eines pneumatischen Druckluft-Schraubers?

Druckluft-Schlagschrauber gehören wie Druckluft-Ratschen oder Druckluft-Nagler zu den Werkzeugen, die sich durch einen besonders einfachen Aufbau auszeichnen. Sie bestehen aus nur wenigen langlebigen Bauteilen, die für einen reibungslosen Betrieb und lange Haltbarkeit auch unter harten Bedingungen sorgen. Der Antrieb erfolgt rein mechanisch, indem Druckluft in Drehbewegung umgewandelt wird. Es gibt keinen Elektromotor, der sich im Betrieb festsetzen oder überlasten könnte.

Die robuste Konstruktion verzeiht einen gröberen Umgang. Auch Kontakt mit Öl, Schmierfett und Schmutz, Wärme oder leichter Feuchtigkeit kann den Geräten nichts anhaben, was gerade im professionellen Bereich ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Weil am Arbeitsort kein Strom zum Einsatz kommt, besteht kein Risiko von Kurzschlüssen. Druckluftbetriebene Schrauber sind daher ideal für Karosserien-Reparaturen, die Motor- und Getriebewartung oder für Garten- und Baumaschinen.

So finden Sie den richtigen Schlagschrauber

Die Auswahl an Schlagschraubern mit Druckluftanschluss ist riesig. Welches Modell das Richtige für Sie ist, hängt wesentlich von Ihrem Kompressor ab, denn die Geräte benötigen im Betrieb eine grosse Menge Druckluft. Faustregel: Für einen stärkeren Schlagschrauber brauchen Sie auch einen leistungsfähigeren Kompressor.

In der Produktbeschreibung finden Sie zwei Angaben, die bei der Kaufentscheidung wichtig sind: der Luftverbrauch und der Arbeitsdruck. Beides steht auch in den technischen Angaben zu Ihrem Druckluft-Kompressor. Stellt das Gerät die angegebene Luftmenge und den geforderten Druck bereit, liefert der Schrauber sein maximales Drehmoment. Anderenfalls arbeitet er mit verminderter Leistung.

Der Luftverbrauch (auch Luftbedarf) in Litern pro Minute (l/min) gibt die Luftmenge an, die der Druckluftantrieb im Schrauber für die volle Kraftentfaltung benötigt. Für professionelles Arbeiten sollte die genannte Luftmenge kontinuierlich bereitstehen, damit Sie auch mehrere Schrauben nacheinander eindrehen können.

Für den Heimbereich kann es eventuell genügen, wenn der kontinuierliche Luftstrom des Kompressors zwar niedriger ist, aber Druckluftvorrat im Kesselinhalt gross genug für kürzere Arbeiten mit vollem Drehmoment ist. Möchten Sie zum Beispiel nur zwei Mal im Jahr die Räder Ihres Autos mit einem Schrauber wechseln, der 140 l/min (2,3 l/s) benötigt, stellt ein 24 Liter grosser Kessel genügend Luft für rund 10 Sekunden bereit. Das reicht für ein Rad aus – warten Sie dann einfach, bis der Kessel wieder gefüllt ist, ehe Sie mit dem nächsten Rad fortfahren.

Unser Praxistipp: Abluftweg beachten

Die zum Antrieb des Lamellenmotors über den Zulauf eingebrachte Druckluft muss das Gerät nach getaner Arbeit auch wieder verlassen. Dafür gibt es eine Abluftöffnung, die in der Regel im Griffstück sitzt. Sie lenkt die Luft etwa im 45-Grad-Winkel aus dem Gerät heraus. Dabei entsteht ein Luftzug, der den Nutzer bei normaler Handhabung nicht beeinträchtigt. Die Luftzirkulation im Betrieb kühlt das Werkzeug ab. Von Vorteil bei häufiger Verwendung ist ein kälteisolierter Griff, der sich nicht so kühl anfühlt.

       

Vergleichen Sie bei der Auswahl auch die folgenden Eigenschaften

Schlagwerk

Schrauber mit Doppelhammer-Schlagwerk arbeiten flotter, Modelle mit Stift-Schlagwerk sind vibrationsärmer und geringfügig leiser.

Leerlaufdrehzahl

Die maximale Leerlaufdrehzahl gibt an, wie viele Umdrehungen pro Minute (U/min) das Gerät ohne Last schafft. Je höher der Wert, desto schneller lassen sich lange Schrauben montieren.

Arbeitsdrehmoment

Dabei handelt es sich um das unter durchschnittlichen Arbeitsbedingungen gewöhnlich erreichte Drehmoment in Newtonmeter.

Lösedrehmoment

Die maximale Kraft in Newtonmeter beim Ausdrehen von Schrauben.

Schalldruckpegel

Die von Schlagschraubern ausgehende Geräuschemission in Dezibel (db) ist beachtlich. Ein Gehörschutz wird dringend empfohlen.

Drehmomentvorwahl

Die Antriebskraft des Schlagschraubers lässt sich per Drehmomentregler einstellen. Die Vorauswahl hat je nach Modell zwei (2-fach), drei (3-fach) oder vier Stufen (4-fach).

Anziehdrehmoment

Die maximale Festziehkraft in Newtonmeter.

Gehäuse

Modelle mit leichtem Aluminiumgehäuse sind gute Allrounder in der Werkstatt. Für die Dauernutzung im Profi-Bereich gibt es extraleichte Magnesiumgehäuse. Kurze Gehäuse sind bei begrenztem Raumangebot leichter zu manövrieren, etwa bei Arbeiten innerhalb der Karosserie.

Welche Aufsätze brauche ich für einen Schlagschrauber?

Modelle für den Werkstattgebrauch sind mit einer 1/2 Zoll Werkzeugaufnahme (12,5 mm) ausgestattet, für Profis gibt es Kraft-Schrauber mit grösserem 3/4 Zoll Vierkant (19 mm) oder 1 Zoll grosser Werkzeugaufnahme (25 mm).

Verchromte Steckschlüsseleinsätze aus Werkzeugkoffern für manuelle Drehmomentschlüssel sind weniger geeignet. Ihre Verchromung platzt durch die hohe Krafteinwirkung des Schlagwerks ab und das Metall kann sich durch die Schlagbelastung verformen, sodass die Werkzeuge unter Umständen nicht sicher halten.

An dem Aussenvierkant können Sie Stecknüsse bis zur maximal zulässigen Grösse einsetzen. Diese sollten für die Verwendung mit einem Schlagschrauber vorgesehen sein. Für die Maschinennutzung geeignete Werkzeuge erkennen Sie üblicherweise an ihrer matt-schwarzen Farbe.

Praktisch ist ein Druckluft-Schlagschraubersatz im Koffer: Diese Sets bestehen aus dem Gerät plus passenden Werkzeugen und sind sofort einsatzbereit.

So setzen Sie einen Druckluft-Schlagschrauber ein

Am Gerät selbst gibt es nur wenige Bedienelemente: den Abzugshebel oder Drücker zur Ingangsetzung, eine Regulierschraube zum Einstellen des Drehmoments und ein Umschalthebel für den Rechts-/Linkslauf. Werkzeuge werden vorne an der Vierkantaufnahme aufgesteckt. Wählen Sie die gewünschte Stecknuss aus und schieben Sie diese auf den Aufnehmer bis über den Haltering. Prüfen Sie die Verbindung – nur bei festem Halt des Werkzeugs ist ein sicherer Betrieb gewährleistet.

Verbinden Sie den Schrauber via Schnellkupplung mit dem Druckluftanschluss. Stellen Sie am Druckminderer den gemäss Anleitung benötigten Arbeitsdruck ein. Mehr Druck führt nicht etwa zu einem Leistungsgewinn, sondern beschleunigt vielmehr den Geräteverschleiss.

Schalten Sie den Kompressor ein und lassen Sie ihn laufen, bis der maximale Kesseldruck erreicht ist. Mit der Rechts-Linkslauf-Steuerung am Gehäuse wechseln Sie zwischen Anziehen (Rechtslauf) und Lösen (Linkslauf). Nehmen Sie das Werkzeug in die Hand, setzen Sie die Stecknuss auf den Schraubenkopf oder die Sechskantmutter und betätigen Sie den Abzug. Sobald die Schraubverbindung wunschgemäss angezogen oder gelockert wurde, lassen Sie den Abzugshebel wieder los.

Druckluft-Schrauber haben verschieden Einsatzgebiete beispielsweise beim Radwechsel. Wenn Sie Ihre Winterpneus selbst aufziehen und dabei auf das mühselige lösen der Muttern und Schrauben mit dem Drehkreuz verzichten wollen, verwende Sie beim nächsten Wechsel doch dieses kraftvolle Werkzeug. 

Öl zuführen – so geht’s!

Das Schlagwerk in Schlagschraubern ist auf eine Ölschmierung angewiesen. Der Ölfilm hält den Antrieb auf Dauer beweglich und minimiert den Verschleiss. Dadurch werden Reibungs- und Korrosionsschäden vermieden.

Bei Gebrauch sollte dem Schrauber regelmässig etwas Öl über die Druckluft zugeführt werden. Das geht entweder manuell, indem Sie vor der Verwendung ein paar Tropfen Öl in den Stecknippel am Gerät geben. Praktischer ist allerdings der Einsatz eines Nebelölers, der manchmal im Lieferumfang enthalten ist. Er erhöht durch eine konstante automatische Schmierung per ölvernebelter Zuluft die Lebensdauer. Der Vernebler wird zwischen Schnellkupplung und Druckluftschlauch in den Luftweg eingeschleift und gibt feinste Öltröpfchen ab. Als Schmierstoff für Druckluftwerkzeuge eignet sich Spezialöl.

     

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