Industrie, Automation & Education | Simulations- und Trainingsmodell
Agile Production Simulation: Die Fabrik der Zukunft im Miniaturformat
Veröffentlicht: 20.01.2026 | Lesedauer: über 3 Minuten
Wolfgang Lex (Foto rechts), Diplom-Ingenieur und Head of Technical Sales Project Business bei Conrad Electronic, ist Experte in Sachen Automatisierungstechnik. Wir sprechen mit ihm über die Agile Production Simulation (APS) von fischertechnik: Das Simulationsmodell macht Industrie 4.0 greifbar – und eignet sich damit nicht nur für den Ausbildungskontext, sondern generell für alle Unternehmen, die ihre Produktionsabläufe optimieren wollen.
InnoNews: Herr Lex, Sie kennen die Agile Production Simulation in- und auswendig. Warum?
Die Automatisierungsbranche hat für uns einen enormen Stellenwert. Damit einher gehen auch komplexe Produkte, die nicht einfach nur verkauft werden können, sondern erklärungsbedürftig sind. Die APS ist ein solches Produkt. Und genau hier kommen wir als Vertriebspartner und Lösungsanbieter ins Spiel: Meine Aufgabe ist es, kompetent ans Produkt heranzuführen und auf Wunsch intensiv zu schulen. Denn nur diese engmaschige Betreuung stellt sicher, dass unsere Kunden die Simulation reibungslos in ihre Arbeits- oder Bildungswelt integrieren können.
InnoNews: Was genau fasziniert Sie an diesem Simulationsmodell?
Die APS ist deshalb so beeindruckend, weil sie echt nah dran ist an der Realität. Damit ist sie extrem interessant für größere Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen, Ausbildungswerkstätten oder Universitäten. Da die eingesetzten Komponenten und Steuerungen jedoch dem Industriestandard entsprechen, können die simulierten Prozesse auch Aufschluss über reale Abläufe in der Fertigungspraxis geben.
InnoNews: Wie genau ist die APS aufgebaut?
Die APS bildet alle Elemente einer modernen Produktion stark vereinfacht, aber gleichzeitig sehr praxisnah ab. Insgesamt gibt es fünf Stationen, die über ein fahrerloses Transportsystem (FTS) miteinander verbunden sind: Wareneingang, Warenausgang, Hochregallager, Produktionsstationen und Qualitätssicherung mit KI.
InnoNews: Was sind die zentralen Lernziele, die mit der APS verfolgt werden?
Das Ziel ist, komplexe Methoden der Fertigung wie Programmierung oder Machine Learning zu verstehen und im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Anders gesagt: Die APS simuliert stellvertretend die Herausforderungen der Produktion und Logistik, wie Produktindividualisierung, kürzere Produktionszyklen, flexible Fertigung und die steigende Komplexität vernetzter Prozesse.
InnoNews: Wie funktioniert die Steuerung der Simulation?
Die Steuerung erfolgt über fünf verbaute Siemens S7-1200 Steuerungen. Sie werden mit dem TIA Portal IEC 6–1131-3 programmiert, wobei die Programmiersprache „Strukturierter Text“ (ST) genutzt wird, die objektorientiertes Programmieren erlaubt. Man bleibt also bewusst nah an den am Markt und in der Ausbildung relevanten Gegebenheiten. Die Kommunikation der APS erfolgt über ein Ethernet-Netzwerk für fest verbaute Teile und ein WLAN-System für die drahtlose Kommunikation der beweglichen Elemente wie dem FTS.
InnoNews: Wie beurteilen Sie den didaktischen Wert der Anlage?
Den halte ich in der Tat für ziemlich einmalig. Neben der unfassbar großen Praxisnähe gibt es umfangreiche begleitende Materialien wie ein Planspiel, Videos und eine E-Learning-Plattform. Ein großer Vorteil ist auch der digitale Zwilling der Fertigung, der es – eine weitere Parallele zur Praxis – ermöglicht, die Prozesse virtuell nachzuvollziehen und die Anlage auch voll digital und ortsunabhängig zu bedienen. Und die Anlage bietet Erweiterungsmöglichkeiten in Form zusätzlicher Module. So lässt sich beispielsweise die Simulation eines Brennofens ergänzen.
InnoNews: Sie haben sich intensiv in das System eingearbeitet – bis hin zum Aufbau im Wohnzimmer?
Ich habe eine Schulung vor Ort bei fischertechnik besucht, aber es war entscheidend, alles in Ruhe für sich selbst durchzugehen und auszuprobieren. Auch die Einarbeitung in das TIA-Portal von Siemens war notwendig. Da musste ich mich trotz Ingenieurstudium ganz schön reinknien, um ehrlich zu sein. Das wiederum zeigt aber auch: Die Tools, mit denen man bei dieser Simulation arbeitet, sind nicht nur komplex, sondern wirklich topmodern. Wie dicht die APS damit dran ist an realen Gegebenheiten in Fertigungsumgebungen, fasziniert mich immer wieder, wenn ich die Anlage auf Messen oder bei Kunden präsentiere.
Bildnachweis
Foto oben: fischertechnik GmbH / Fotos mitte: Conrad Electronic / Foto unten: fischertechnik GmbH
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